Home / Gesundheit & Medizin / Wodurch wird Heimweh verursacht und wie äußert sich Heimweh ?
Wodurch wird Heimweh verursacht und wie äußert sich Heimweh ?

Wodurch wird Heimweh verursacht und wie äußert sich Heimweh ?

Nur wer sich mindestens ein Jahr von zu Hause fortgetraut hat, kennt es: das psychisch schmerzhafte Heimweh. Nachts von den kulturellen Herrlichkeiten des fernen Heimatlandes zu träumen.

Der niederländische Sozialwissenschaftler Geert Hofstede hat sich mit den Ursachen und Auswirkungen des Phänomen Heimweh eingehend beschäftigt und in seinen Untersuchungen die Entwicklung des Heimwehs in 4 Phasen kategorisiert. Diese Phasen sollen kurz umrissen und mit eigenen Erfahrungen verglichen werden.

Heimweh wird durch den sog. “Kulturschock” verursacht, die Verwendung des medizinischen Begriffes Schock soll die ausgesprägten Gefühlsschwankungen des Ausgereisten beschreiben.

Bei einem längeren Auslandsaufenthalt handelt es sich aber nicht um ein plötzlich eintretendes und nur kurze Zeit währendes Phänomens des Heimwehs, sondern um eine länger anhaltende Phase zu Beginn eines Auslandsaufenthaltes.

 

Euphoriephase-Erste Orientierung

Die Ankunft im Gastland im neuen Zuhause ist aufregend und schön. Sie sind überwältigt von dem Neuen und drängen darauf, mehr zu erfahren und alles zu sehen. Die Sinne laufen auf Hochtouren, alle Eindrücke der neuen Heimat zu verarbeiten. Negative Eindrücke werden in den Hintergrund verdrängt. Unterschiede zum Heimatland werden zunächst als interessant, exotisch, charmant und liebenswürdig empfunden.

Ernüchterungsphase-Orientierungslosigkeit

Nach wenigen Wochen stellt sich eine gewisse Ernüchterung ein. Sie nehmen die Andersartigkeit des fremden Landes und seiner Bewohner stärker wahr. Diese Merkmale werden verstärkt, wenn es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelungen ist, recht einfache Abläufe wie Einkaufen, Geldautomaten, Bankwesen, andere Verkehrsregeln etc., sicher zu beherrschen.

Einigelungsphase-Entfremdung und Isolation

Die dritte und schwierigste Phase des kulturellen Anpassungsprozesses. In dieser Phase entscheidet sich, ob der Kontakt mit der fremden Kultur einen positiven oder negativen Verlauf nimmt. Hier kommt es auf persönliche Erfahrungen an und welche Konsequenzen daraus gezogen werden. In dieser Phase werden oft Einladungen abgelehnt, man zieht sich in eine vertraute Umgebung innerhalb der fremden Welt zurück. Zu diesem Zeitpunkt werden ununterbrochen Vergleiche zum Heimatland angestellt, wobei das “Zuhause” häufig verklärt wird, alle Vergleiche mit dem Gastland “gewinnen”. Es bilden sich Vorurteile dem Gastland und seiner Bewohner gegenüber. Es tritt echtes Heimweh mit emotional schmerzhafter Sehnsucht nach Bekannten, Freunden und Familienangehörigen in der Heimat auf.

Anpassungs- und Integrationsphase

Keiner, der sich für längere Zeit im Ausland aufhält, kommt an einer gewissen Anpassung vorbei. Auch wenn man sich sträubt, der Kontak wird wieder aufgenommen. Wie eng dieser Kontakt ist, ist abhängig von der individuellen Einstellung. Sie beginnen die Veränderungen als positiv zu empfinden und entwickeln Fähigkeiten wie Selbstorganisation und Problemlösungsstrategien. Sie lernen, erfolgreich und effektiv in einer neuen Kultur zurecht zu kommen und zu arbeiten.

Tipps:

Zusammenfassend formuliert, kommt es auf die eigene Persönlichkeit an, wie schwach oder stark Heimweh auftritt. Heimweh wird früher oder später jeden Ausgereisten treffen. Unabhängig vom Alter und Auslandserfahrungen.

Bedenken Sie, daß auch die Umgebung und Kontaktpersonen, bei denen Sie sich im Ausland aufhalten, sich sehr wohl in Ihre Situation hineinversetzen können und Ihnen in den ersten Wochen rücksichtsvoll begegnen werden. Jeder kann Ihre Situation nachempfinden und will nicht den Wechsel unnötig erschweren. Nicht zuletzt auch deswegen, damit Sie sich im Gastland wohlfühlen und Sie einen guten Eindruck von Ihren Gastgebern haben. Denn befinden Sie sich wegen eines Arbeitsaufenthaltes im Ausland, wird man Ihre Zufriedenheit und Ihr Wohlbefinden unterstützen, denn nur dann können Sie auch gute Leistungen bringen.

Aber doch ein paar Regeln und Hinweise eigener Erfahrungen, wie Sie sich am besten verhalten sollten.

Eigene Erfahrungen:

Versuchen Sie, gegebene Situationen im Ausland nicht mit Ihrem Heimatland zu vergleichen. Stellen Sie bestimmte Situationen oder Verhaltensweisen in der Kultur des Gastlandes als die gegebenen hin und versuchen Sie nicht, diese zu bewerten. Ihr ausländischer Gastgeber wird es sehr schätzen, wenn Sie sich offen und interessiert der neuen Kultur gegenüber zeigen. Sie werden sich ständig beim Vergleichen ertappen, aber vermeiden Sie Bewertungen (bei uns die Kartoffeln schmecken besser…Brot können die ja überhaupt nicht backen…Was, das soll ein Wasserhahn sein?…wie kann man denn nur so ein Fenster bauen…wer soll denn mit diesem Auto klarkommen…)

Auch das Bemühen und Können im Beherrschen der Fremdsprache, wird besonders in den USA respektvoll anerkannt. Im Anbetracht der Tatsache, daß die unteren und mittleren Bevölkerungsschichten in den USA wenig Interesse am Erlernen einer Fremdsprache zeigen, da die eigene Sprache eine Weltsprache ist, werden Sie beim Erlernen von Redewendungen und Anpassen an ortsspezifische Sprachgewohnheiten eifrig unterstützt. Größte Sympathie und Anerkennung werden Sie bekommen, wenn Sie lernen, wie ein Einheimischer zu fluchen, oder zu scherzen.

Motivieren Sie sich mit dem Gedanken, daß Sie im Heimatland Anerkennung dafür ernten werden, sich länger alleine im Ausland aufgehalten zu haben. Bedenken Sie, daß das Durcheinander Ihrer Gedanken während des Heimwehs ausnahmslos alle befällt, die länger im Ausland sind. Sprechen Sie mit Vertrauten (z.B. anderen Teilnehmern eines Auslandsprogrammes, mitausgereiste Kollegen) über Ihre Empfindungen, und Sie werden erleichtert feststellen, daß die ähnliche Empfindungen wie Sie haben. Sind Sie ziemlich allein im Ausland, sprechen Sie auch ruhig offen mit Ihrem Gastgeber oder neuen Kollegen, werben Sie um Verständnis für Ihre Situation, wenn mal etwas schief läuft. Vermeiden Sie aber den Eindruck von Selbstmitleid oder Jammern, bleiben Sie immer selbstkritisch. Schwelgen Sie nicht bei Erzählungen über Ihr Heimatland selbstvergessen in sehnsüchtige Beschreibungen ab, dann erwecken Sie den Eindruck “dem/ der gefällt es nicht bei uns…wieso ist der/ die überhaupt hier ?”

Die Intensität des Heimwehs hängt auch stark von den äußeren Bedingungen der Umwelt ab. Wie werden Sie aufgenommen, wie sieht Ihre Umgebung aus. Kommen Sie in Gegenden, die Ihrer Heimat in der Vegetation und Morphologie ähnlich sind, werden Sie sich wohlfühlen.

Zu Beginn erst enttäuscht, ach, hier sieht es ja genauso langweilig aus wie bei uns. Kommen Sie aber z.B. in eine baumlose Prärie mit unendlich viel Grasebenen im mittleren Westen der USA, wird Sie später eine unheimliche Sehnsucht nach Wäldern und richtigen Bergen plagen. Sie stellen sich vor, durch deutsche Buchenwälder oder eine deutsche Altstadt mit Fachwerkhäusern zu schlendern, und werden fast verrückt vor Heimweh. Sie werden schmerzhaft feststellen, daß es wohl nirgendwo auf der Welt so schönen Käse und Brot gibt wie bei uns. Den besonders in den USA üblichen Schmelzkäse und das Weißbrot werden Sie irgendwann hasserfüllt in die Mülltonne schmeißen und die ganze Esskultur der US-Amerikaner zur Hölle wünschen. Vermeiden Sie diese Wutausbrüche beim gemeinsamen Mittagessen mit den ausländischen Gastgebern oder Kollegen, sind Sie alleine, machen Sie das ruhig, wenn es Ihnen hilft.

Rückblickend zehren Sie von den Erfahrungen, viele Situationen, die Sie im Ausland erlebt haben, gehen Sie geistig nochmal durch und überlegen wie Sie sich heute anders verhalten hätten.

Anmerkung: Zur wissenschaftlichen Beschreibung von Heimweh wurden Auszüge aus Texten von der Internetseite mondialogo.org  verwendet.

dieser Text stammt mit freundlicher Genehmigung von der Webseite http://www.auslandserfahrungen.de

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

Scroll To Top